Uxmal

Ungefähr 400 Kilometer von Cancún entfernt liegt eine Ausgrabungsstätte, die sich durchaus mit den imposanten Bauten von Chichén Itzá messen lassen kann. Mit dem Mietwagen läßt sich die Strecke nach Uxmal problemlos bewältigen, da die Autobahnverbindung nach Merida sehr gut ist. Trotzdem eignet Uxmal nicht als Tagesausflugsziel. Eine Übernachtung sollte schon eingeplant werden. Wie aber auch in Chichén Itzá ist hier die Anzahl der Hotelbetten relativ beschränkt.

Wir haben in der Mission Uxmal Park Inn geschlafen und haben, als wir nachts um 0 Uhr ankamen gerade noch ein Zimmer in ziemlich feuchten Erdgeschoß bekommen. Für einen längeren Aufenthalt kann ich das Haus nicht empfehlen; für eine Übernachtung ist’s aber ok. Besonders stark ist die Erinnerung an einen nächtlichen Gast, der mit Vorliebe in den heruntergefallenen, vertrockneten Blättern der eingegangenen Zimmerpflanze gewühlt, sobald das Licht ausgeschaltet wurde. Bis heute weiß ich nicht, was für ein Tier das war. Die Vermutung liegt aber nahe, daß sich um einen kleinen Gecko gehandelt hat.

Vom Hotel aus sind die Ruinen von Uxmal sogar zu Fuß zu erreichen (ca. 1 km). Von der Terrasse des Hotels hat man einen guten Blick auf die höheren Bauten, die sich über das dunkelgrüne Dach der Vegetation erheben.

Vom Touristenzentrum an Eingang der Anlage gelangt man mit wenigen Schritten an die erste große Sehenswürdigkeit von Uxmal. Die Pyramide des Wahrsagers bzw. der Templo del Enanao (Tempel des Zwerges) weicht in seiner Form von allen Maya-Bauten ab, die ich gesehen habe. Der ovale Grundriß macht diese Pyramide zu einem wirklichen Einzelstück der Maya-Architektur. Wie viele andere Pyramiden, so ist auch diese über die Jahrhunderte langsam gewachsen, d.h. eine kleinere Pyramide wurde immer wieder mit einer etwas größeren Pyramide überbaut, bis die heutige Form erreicht wurde.

Gleich hinter der Pyramide des Wahrsagers liegt das sog. Nonnenviereck - ein rechteckiger Bau mit einem großen Innenhof, der mit den von ihm abgehenden kleinen Türen die spanischen Eroberer an ein Nonnenkloster erinnerte. Besonders schön sind in diesem Bauwerk die Verzierungen, die im oberen Gebäudedrittel angebracht wurden. Ähnliche Muster finden sich an gleicher Stelle auch am beeindruckendsten Bauwerk in Uxmal wieder.

Auf einer Anhöhe liegt wirklich riesiger Bau, dessen Funktion ebenso im Dunkeln liegt, wie der fast aller anderen Gebäude in Uxmal. Die spanischen Eroberer waren jedenfalls so beeindruckt, daß sie dem Gebäude den Namen Palast des Gouverneurs verliehen. Auch hier fällt auf, daß die Erfindung der Fenster an den Maya spurlos vorüberging. Es gibt zwar Öffnungen im Gebäude, die dienen aber jeweils zum Betreten und Verlassen der einzelnen Räume (die man nur betreten sollte, wenn man eine relativ unempfindliche Nase hat! Einige Menschen scheinen das Gebäude für eine öffentliche Toilette zu halten.). Licht wurde in diese dunklen Löcher über kleine Öllämpchen gebracht.

Zwischen dem Nonnenviereck und dem Palast des Gouverneurs liegt ein Haus das aufgrund seines etwas verspielten Dachsimses als Haus der Schildkröten bezeichnet wird. Das ansonsten unspektakuläre kleine Haus wird kurz unterhalb des Daches von eine Vielzahl von verschiedenen, sehr schönen Schildkröten-Reliefs umgeben.

Hinter dem Palast liegt die sogenannte große Pyramide von Uxmal. Besonders erwähnenswert ist die riesige, breite Treppe die zum Tempel an der Spitze der Pyramide führt. Von hier aus kann man seinen Blick sehr gut über die gesamte Anlage schweifen lassen.

Im Westen der Pyramide liegt ein Gebäude, das einen sehr seltsamen Namen trägt. Das Haus der alten Frau ist an sich kein besonders hervorstechender Bau. Das Einzige, was diesen Punkt besonders macht, ist die Ansammlung von steinernen Phalli, die sich sozusagen im Garten des Hauses befinden. Kann mir jemand erklären, warum sich eine alte Frau den ganzen Garten voll mit aufrecht stehenden Granit-Penissen stellen sollte? Waren das etwa Erinnerungen an alte Zeiten? Mir ist’s schleierhaft.

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