Die Übersetzung von des Städtenamens Nuwara Eliya soll "Stadt des Lichts" bedeuten. Damit wird umschrieben, daß das Licht hier oben auf fast 2.000 m über dem Meeresspiegel faszinierend ist. Der Morgen beginnt für singhalesische Verhältnisse sehr kühl. Bei etwas über 10 Grad bilden sich Nebelbänke über den Freiflächen und es liegt dicker Tau auf der üppigen Vegetation. Kurz darauf klettert die Sonne über die Bergspitzen und es beginnt das, was mich wirklich fasziniert hat. Die Luft ist noch kühl und frisch und auf der Haut spürt man die Kraft der tropischen Sonne. Jedes Tröpfchen Feuchtigkeit wird von den Sonnenstrahlen sofort verdunstet und steigt in dünnem Wasserdampf auf. Die Einfahrt zu unserem Guesthouse war mit einem schwarzen, hölzernen Tor gesichert, das sich am Morgen mit Tau durchtränkt hatte. Kaum waren die Sonnenstrahlen auf das dunkle Holz gefallen, sah es so aus, als hätte es Feuer gefangen und Rauch würde aufsteigen.
Die Stadt hebt sich mit ihren Gebäuden vom Baustil der gesamten Insel ab. Während der Kolonialzeit bis in dieses Jahrhundert hinein war Nuwara Eliya (gesprochen: "Nurelia") der Zufluchtsort der Engländer, da es landschaftlich und klimatisch an ihre Heimat erinnert. Die ehemaligen Kolonialherren haben dann auch der Stadt ganz deutlich ihren Stempel aufgedrückt. Das alte Postgebäude könnte durchaus in einem kleinen, verschlafenen englischen Dorf stehen. Die Pferderennbahn und den gepflegten Golfplatz würde man hier eigentlich nicht vermuten. Die Krönung jedoch ist der altehrwürdige, etwas versnobte Hill-Club, der so aussieht, als man ihn direkt, in einem Stück aus den schottischen Highlands in die Tropen verfrachtet.
Neben den vielen britisch geprägten Gebäuden verfügt die kleine Stadt noch über ein quirliges Zentrum am Busbahnhof gegenüber der Post. In der Straße die in Richtung der Bank of Ceylon führt, finden sich viele kleine Restaurants und Läden. Auf der einen Straßenseite steht eine ganze Batterie von Taxifahrern, die ihre Fahrzeuge zu Ausflügen in die nähere Umgebung anbieten. Anzuraten ist ein Besuch der Horton Plains und des dortigen Endes der Welt. Außerdem ist es möglich, die Teefabrik in Labukele zu besuchen, um dort etwas über die Teeproduktion zu erfahren. Generell ist zu sagen, daß man in dieser Region die geschlossenen Fahrzeuge den kleinen zugigen Tuc-Tuc's vorziehen sollte. Gerade wenn man in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag unterwegs ist, weiß man eine geschlossene Kabine doch sehr zu schätzen.
Gerade auf der Fahrt nach Labukele zur Teefabrik sind am Straßenrand immer wieder Gemüsestände zu bewundern, wie ich sie so noch nie in meinem Leben gesehen habe. Bergeweise liegt dort vertrautes Gemüse, wie Karotten, diverse Kohlsorten, Lauch, Auberginen etc. Alles gewaschen und feinsäuberlich zu großen Pyramiden gestapelt.
In den kleinen Bächen der Umgebung sieht man dann auch die Bauern das Gemüse in riesigen weißen Plastiknetzen waschen. Weiterhin ziehen an den Straßen kleine Karawanen von Teepflückerinnen vorbei. Mit vollen Körben auf dem Weg zu einer der vielen Wiegestationen oder mit leeren Körben auf dem Weg zur nächsten Pflückstelle oder nach Hause, um ihre Familien zu versorgen. Man sollte sich nicht von dem stetigen Lächeln ablenken lasse und mal den ein oder anderen Gedanken daran verschwenden, unter welchen Arbeitsbedingungen diese Frauen dort ihren kargen Lohn verdienen. Gepflückt wird bei fast allen Witterungen und die Plantagen sind grundsätzlich an den Hängen der Berge.
Die Stadt und ihre Umgebung hat mich auf der Insel wohl am stärksten in ihren Bann gezogen. Wenn wir abends durch die Straßen gingen und es sommerlich frisch wurde, konnte ich nicht glauben, mitten auf einer Insel im Indischen Ozean zu sein.
Die Anreise erfolgt am besten mit dem Zug. Die Bahnstation in Nanu Oya liegt 10 km entfernt, ein paar hundert Meter tiefer als Nuwara Eliya. Von der Hauptstraße aus fahren Busse in das höhergelegene Nuwara Eliya oder man nimmt sich eins von vielen Taxis oder Kleinbussen, um die Strecke zurückzulegen. Oftmals finden sich hier auch die Fahrer der größeren und kleineren Hotels, die gerade Gäste zum Zug gebracht haben. Sie verdienen sich gern ein paar Rupien hinzu, indem sie nicht mit einem leeren Wagen zurückfahren. Dies sollte man bei den Preisverhandlungen berücksichtigen. Wir haben jedesmal 100 Rps (ca.2,50 DM) für 2 Personen bezahlt und sind vor unserem Hotel abgesetzt worden (Busse sind erheblich billiger, etwa 10 oder 20 Rps einfache Fahrt pro Person). Beachten solltest Du dabei, daß die Fahrer natürlich versuchen werden, Dir "Ihr" Hotel aufzuschwatzen. An dem Hotel, daß Du Dir ausgesucht hast gibt es natürlich immer etwas auszusetzen (und sei es nur, daß der Fahrer dort keine Provision erhält). Bei der Wahl Deiner Unterkunft solltest Du ganz besonders daruaf achen, daß sie über fließend warmes Wasser verfügt. In dieser Höhe ist eine eiskalte Dusche am Morgen nicht gerade angenehm.
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