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Die Stadt Kandy liegt sehr malerisch an einem künstlichen See und bildet eine wunderbare Ausgangsbasis für Ausflüge in die nähere Umgebung. Der in der Mitte der Stadt liegende See bildet einen ruhenden Pol, der vom hektischen Treiben einer der größeren Städte Sri Lankas unbeeindruckt bleibt.

Die Stadt bildet mit dem am Milchsee liegenden Dalada Maligawa (dem sog. Zahntempel) das spirituelle Zentrum Sri Lankas, das gerade in der Pilgersaison Anlaufpunkt für Tausende von Buddhisten ist. In der Umgebung von Kandy locken der Botanische Garten in Peradeniya und das Elefantenwaisenhaus von Pinnawela zu Tagesausflügen. Aber auch ohne ein konkretes Ziel, bietet das Umland von Kandy viele Möglichkeiten, die Natur der Insel zu geniessen. Aber auch die Stadt selbst bietet viele Punkte, die man sich neben den allgemeinen Highlights nicht entgehen lassen sollte. Hierzu zählen für mich z.B. der Central Market in der Nähe des Bahnhofes und die Vielzahl der kleinen Restaurants in der Innenstadt.

Im krassen Gegensatz zur Ruhe am See und der Ausstrahlung des Zahntempels steht das Leben in der Innenstadt Kandys. Zu jeder Tageszeit sind die Straßen überfüllt mit Autos, die mit ihren Abgasen die Luft verpesten. Erst am Abend kehrt langsam in die Straßen der Innenstadt Ruhe ein und es entwickelt sich eine wirklich angenehmen Atmosphäre.

Gerade das Klima in Kandy ist für europäische Verhältnisse sehr gut zu ertragen. Tagsüber erinnern die Temperaturen an den europäischen Sommer und in der Nacht kühlt es so weit ab, dass man sehr gut schlafen kann. Aufgrund der morgendlichen Temperaturen solltest Du bei der Wahl Deiner Unterkunft darauf achten, dass das es dort auch warmes Wasser gibt. In einem der Guesthouses (Blue Haven), in denen ich war, gab es zwar warmes Wasser, das wurde aber auf sehr abenteuerliche Weise gewonnen. In den Duschkopf war eine Art Tauchsieder eingebaut. Die Stromzuführung erfolgte von außen in den Duschkopf hinein und war gerade mal mit etwas Klebeband isoliert. Es war schon ein sehr kribbeliges Gefühl, sich morgens unter diese Konstruktion zu stellen. Aber es hat tadellos funktioniert!

Der erste Anlaufpunkt für einen Besuch in Kandy ist sicherlich der Zahntempel. Da fast jeder Tourist so denkt, ist der Tempel zum Teil sehr überlaufen und erinnert mehr an eine Attraktion in Disney Land, als an einen Ort der Ruhe und Einkehr. Der Grund für diese Anziehungskraft findet sich in dem Heiligtum, das in diesem Tempel aufbewahrt wird. Angeblich befindet sich in der inneren Kammer des Tempel ein Schrein, der einen Backenzahn von Buddha enthält. Um diesen Zahn ranken sich unendlich viele Legenden und er hat eine sehr, sehr wechselhafte Geschichte hinter sich. Er wurde von einem Mönch aus dem Scheiterhaufen Buddhas gerettet und von der Tochter eines indischen Königs nach Sri Lanka gebracht. Aufgrund seiner Bedeutung wurde der Zahn früher immer in der Hauptstadt des Landes aufbewahrt. Da diese mehrfach gewechselt hat, ist auch der Zahn jedes Mal mit umgezogen und es finden sich in allen alten Hauptstädten der Insel Zahntempel. Einmal im Jahr, zur Zeit der Kandy Perahera im August wird eine Nachbildung des Zahns auf dem Rücken eines besonders trainierten Elefanten durch die Stadt getragen und somit der Bevölkerung präsentiert.

Ich habe mir zwei der Pujas (Zeremonien) angesehen. Während der Pujas trommeln im Erdgeschoss des Tempels vier Musiker, während im Obergeschoss eine kleine Gruppe von Gläubigen in die innere Kammer des Tempels vorgelassen wird. Zum Höhepunkt der Zeremonie wird ein kleines Fenster zum Vorraum der Kammer geöffnet, so dass auch die Gläubigen dort die Möglichkeit erhalten, einen Blick in die Kammer zu werfen.

Dabei eventuell einen Blick auf die Zahnreliquie zu werfen, ist nicht möglich, da sich das Heiligtum in sieben in einander verschachtelten Behältnissen befindet.

Die erste Puja am Abend (18.30 Uhr) war fürchterlich! Der Tempel war belagert von Touristenmassen, die mit Foto- und Videokameras bewaffnet durch die Gänge lärmten. Jeder der vereinzelt auftretenden Singhalesen, der eine Lotusblume vor der Reliquienkammer niederlegen wollte, wurde sofort und gnadenlos geknipst und abgefilmt. In Kombination mit dem Lärmpegel war das ganze eher ein traumatisches, als ein traumhaftes Erlebnis und hat dazu geführt, dass ich den Tempel sofort verlassen habe.

Aber ich habe mich nicht abschrecken lassen und bin am nächsten Morgen wieder in den Tempel gegangen. Wenn ich Morgen sage, meine ich den frühen Morgen. Die erste Puja des Tages findet um 6.30 Uhr statt. Insgesamt hatten sich nur 4 Touristen zu dieser Zeit im Tempel eingefunden und sie waren sich alle der Bedeutung des Ortes bewusst, so dass sie sich absolut im Hintergrund hielten und die Gläubigen bei Ihren Gebeten nicht gestört wurden. In den Momenten konnte man fast körperlich spüren, dass dies in heiliger Ort ist, den die Singhalesen nur mit einer großen Portion Ehrfurcht und mit einem noch glückseeligerem Lächeln als sonst auf dem Gesicht betreten.

Im Tempel befindet sich ein großer Saal, in dem Buddhastatuen aus allen Herren Ländern ausgestellt werden. Zusätzlich ist die wechselhafte Geschichte des Zahns beginnend mit der Rettung aus dem Scheiterhaufen bis hin zur Rückgabe der Reliquie durch die englischen Kolonialherren, in großen Bildern dargestellt.

Im achteckigen Anbau an der Vorderseite des Tempels befindet sich eine Sammlung von alten Palmblattmanuskripten, von denen einige unter Glas ausgestellt sind. Vom sogenannten Oktogon führt ein unterirdischer Tunnel bis zur Insel, die inmitten des angrenzenden Milchsees liegt. Auf dieser Insel befand sich früher ein königliches Lustschloss.

Nachdem der Tempel 1998 Ziel eines Bombenanschlags wurde, sind die Sicherheitsmaßnahmen am und im Tempel drastisch verschärft worden. Insgesamt sind drei Sicherheitsschleusen inkl. Gepäckkontrolle und Leibesvisitation zu durchschreiten, bis man ins Innere des Gebäude vordringen darf. Da oftmals gerade an diesen Punkten die Selbstmordattentäter mit ihren Bomben entdeckt werden und dann sich und alle Umstehenden aus Verzweiflung in die Luft sprengen, habe ich immer ein sehr ungutes Gefühl in der Nähe dieser Stationen. Der Anschlag von 1998 hat viele Menschen das Leben gekostet und hat die Fassade des Tempels so sehr zerstört, dass die Restaurierungsarbeiten im Frühjahr 2000 noch immer nicht abgeschlossen waren.

Kandy lässt sich mit der Bahn von Colombo aus sehr gut erreichen. In ca. 3 Stunden legt der Intercity-Express die Strecke ins Hochland zurück. Selbst wenn die Bahn ausfallen sollte, kann man sich aufgrund der guten Busanbindung des Ortes uneingeschränkt bewegen. Uns ist es bei unserer Rundreise passiert, dass nach einem Bombenattentat in Colombo die Hauptstadt abgeriegelt wurde und keine Züge den Bahnhof in Kandy in Richtung Colombo verlassen haben. Da der Busbahnhof direkt an den Bahnhof angrenzt, war es kein Problem, die Strecke nach Colombo ohne großen Zeitverlust zurückzulegen.