Die Stadt Anuradhapura ist eine der großen, ehemaligen Königsstädte auf Sri Lanka. Die Stadt liegt im Norden der Insel und aufgrund ihrer Nähe zur Front, ist es zeitweilig nicht möglich, sie zu besuchen. Am besten erkundigst Du Dich im Ceylon Tourist Board in Colombo über die aktuelle Lage im Norden.
Anuradhapura verfügt über eine direkte Bahnverbindung nach Colombo und ist somit in wenigen Stunden zu erreichen. Als Ausgangspunkt für unsere Besichtigungstouren hatten wir uns das Tissawewa Resthouse ausgesucht, das direkt im heiligen Bezirk liegt. Von hier aus lassen sich alle Sehenswürdigkeiten mit dem Fahrrad erkunden (Fahrräder gibt es an der Rezeption). Das Tissawewa Resthouse ist schön, daß ich ihm eine eigene Seite gewidmet haben, um mal so richtig ins Schwärmen zu kommen.
Begonnen haben wir, nachdem wir das Resthouse-Gelände verlassen hatten, mit einer ersten kleinen Dagoba, die wenige Minuten vom Resthouse entfernt ist. Gerade weil sie so nah am Resthouse liegt und klein und überschaubar ist, ist diese Dagoba ein guter Einstieg in die Welt von Anuradhapura.
Die Entstehungsgeschichte dieser Dagoba spiegelt die Vielfalt der Gründe wider, die Anlaß zum Errichten dieser beeindruckenden Bauwerke waren. Angeblich hatte der König Duttha Gamini übersehen, von seinem Essen einen Teil den Mönchen zu spenden. Um seinen Fehler wieder gutzumachen, ließ der diese Dagoba errichten, die heute den Namen des Essens trägt, das zu ihrem Bau geführt hat. (Quelle: Reise Know-How)
Nach der Umrundung der Mirisavetiya Dagoba bietet sich die Weiterfahrt zu einem der vielen Höhepunkte Anrudhapuras an. Falls noch nicht geschehen kann man sich auf dem Weg zur Ruvanveliseya Dagoba vor dem Archäologischen Museum die Sammelkarte für das kulturelle Dreieck erwerben, die u.a. zum Betreten der meisten Sehenswürdigkeiten in Anuradhapura berechtigt.
Die Ruvanweliseya Dagoba ist aufgrund ihrer Höhe von 110 Metern ein weithin sichtbares Bauwerk, das dadurch noch stärker beeindruckt, daß es auf einem Sockel steht, der von 338 Elefanten getragen zu werden scheint.
Die Elefanten sind im Laufe der Jahrhunderte immer wieder restauriert worden, so daß sie auch heute noch einen sehr frischen Eindruck machen. Leider habe sie durch die Restaurierungen Ihre ursprüngliche Form verloren. Angeblich sollen die Abbilder der Elefanten früher mit echten Stoßzähnen ausgestattet gewesen sein. Bemerkenswert ist auch, daß kein Elefant dem anderen gleicht, sondern jeder eine individuelle Note trägt.
Erst die Umrundung der Dagoba macht deutlich, wie riesig dieses Bauwerk ist. Auf dem quadratischen Sockel befindet sich in jeder Ecke eine kleine Dagoba sowie Altären ihre Blumen opfern (als Tourist sollte man sich in dieser Situation wirklich ganz im Hintergrund halten und nicht wie wild zur Photo- oder Videokamera greifen). Für Schnappschüsse tauglicher erweist sich das Spektakel, was sich dann abspielt, wenn die Gläubigen sich zurückziehen. Während der ganzen Zeit haben Affen ungeduldig auf den Mauern ausgeharrt, Immer wieder recken sie ihre Hälse, um bloß nicht das Ende des Gebetes zu verpassen und sich dann auf die frischen Lotusblüten zu stürzen.
Im Anschluß an die Umrundung der Ruvanweliseya Dagoba kann man seinen Rundgang in Richtung Norden fortsetzen. Die Dagoba, die sich ca. 2 km nördlich befindet, vermittelt einen guten Eindruck, wie mächtig die Natur in Sri Lanka ist. Die Abhayagiri Dagoba wird zur Zeit restauriert, d.h. in einem ersten Schritt von der Vegetation befreit. Da im Laufe der Jahrhunderte die Mörtelschicht durch die Witterung abgetragen worden ist, wird bei der zweithöchsten Dagoba in Anuradhapura deutlich, wie gewaltig die Bauleistung ist. Erst jetzt läßt sich erkennen, daß sich die Dagoba aus unzähligen Ziegelsteinen zusammensetzt, die vor mehr als 2000 Jahren mit ungeahnter Präzision Schicht für Schicht zu diesem 115 Meter hohen Bauwerk zusammengesetzt worden sind.
Als wir bei der Abhayagiri Dagoba ankamen, ging gerade ein Wolkenbruch unbeschreiblichen Ausmaßes nieder. Die 50 Metern zwischen Fahrradabstellplatz und dem kleinen Unterstand reichten, um mindestens fünfmal bis auf die Knochen naßzuwerden. Zum Glück ist der Regen relativ warm und durch die hohe Luftfeuchtigkeit gibt es das Phänomen der Verdunstungskälte nur in Ansetzen, d.h. man ist zwar für Stunden pitschnaß, aber man friert nicht! Bei der Umrundung der Dagoba ist es mehr als spannend, zu sehen, wie die Bauarbeiter auf den meterhohen Bambusgerüsten herumturnen, um die Dagoba vom Strauchwerk zu befreien. Auf den Einsatz von technischen Hilfsmitteln kann bei der Restaurierung nicht zurückgegriffen werden. Daher wird jeder Eimer mit Schutt heruntergetragen und am Fuß der Dagoba ausgekippt. Im Anschluß an die Befreiung von der Vegetation wird die Dagoba wahrscheinlich wieder verputzt und weiß angestrichen werden. Es braucht nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, daß sich die Restaurierung des Steinkolosses noch über einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinziehen wird.
Unweit der Abhayagiri Dagoba befindet sich einer der schönsten Mondsteine der Insel. Die Steine versinnbildlichen den Übergang vom Heute in die Ewigkeit, in dem sie unterschiedliche Tiersymbole verwenden. Die Symbole stellen u.a. die verschiedenen Lebensphasen des Menschen dar. Die Mondsteine befinden sich immer fußmattenähnlich am Eingang zu wichtigen Gebäuden. Dieser Mondstein weist besonders schöne Ornamente auf und ist dank Absperrgitter noch nicht von tausenden Touristenfüssen abgeschliffen worden.
In den sich an den Stein anschließenden Treppenstufen lassen sich gut kleine Gnome erkennen, auf deren Schultern die Last der Stufe zu liegen scheint. Der Sage nach werden Singhalesen, die sich in ihrem irdischen Leben nicht anständig und gut verhalten haben, als so ein Treppengnom wiedergeboren und müssen fortan die Tritte der Menschen ertragen, die das jeweilige Gebäude betreten. Urteilt man vom ansatzweise zu erkennenden Gesichtsausdruck der kleinen Kerle, scheint der Job scheint nicht besonders viel Spaß zumachen. Also ein echter Anreiz, den "Pfad der Tugend" nicht zu verlassen! ;-)

Ca. 500 Meter westlich des Mondsteins befindet sich ein ganz beachtliches Bauwerk, das zwei verschiedenen Zwecken gedient hat. Es handelt sich um zwei direkt hintereinander gelegene Wasserbecken, die sowohl zur körperlichen Reinigung als auch zu rituellen Waschungen benutzt wurden. Bedenkt man, daß zu seiner Blütezeit im nahegelegenen Kloster ca. 5.000 Mönche gelebt haben sollen und berücksichtigt man die Reinlichkeit der Singhalesen, so muß im Twin Pond ein ungeheurer Andrang geherrscht haben. Die Wasserbecken werden durch eine 6 km lange, unterirdische Wasserleitung versorgt. Zusätzlich sind mehrere Filterstufen eingebaut, um das Wasser aufzubereiten. Die Erfindung von Filtern zur Reinigung von Abwasser findet sich zum Beispiel auch bei den im Kloster ausgestellten Urinalsteinen wieder. Unterhalb der verzierte Plattformen befanden sich mehrere Tongefäße, die z.B. mit Holzkohle gefüllt waren, um die Abwässer zu reinigen, bevor sie ins Erdreich gelangten.
Auf dem Weg zurück ins Stadtzentrum führt der Weg vorbei an einer Buddhastatue, die einen Zwischenstopp wert ist. Die Statue zeigt einen meditierenden Buddha dessen Gesichtausdruck deutlich macht, wie sehr Buddha in seine meditation versunken ist. Im Vergelich zu anderen Statuen ist die Mimik auf ein absolutes Minimum reduziert. Gerade hierdurch erreicht aber der Bildhauer den gewünschten Effekt.
Um sie vor der Witterung zu schützen, ist die Statue von einem Dach überspannt, so daß sie leider nicht im Sonnenlicht betrachtet werden kann. Der ehemalige indische Premierminister Neru war von dieser Statue so angetan, daß er ein Foto zum Meditieren bei sich trug und auch direkt vor der Statue meditiert hat.
Fast 2 km südöstlich der Samadhi Buddhastatue befindet sich eine weitere Dagoba, die zur Zeit restauriert wird. An der Jetavanarama Dagoba sind die Arbeiten schon zu einem großen Teil fertiggestellt, so daß bald mit dem Verputzen der Kuppel begonnen werden kann. Wie fast alle Restaurierungsvorhaben, so werden auch die Arbeiten an dieser Dagoba von der UNESCO finanziell gefördert und somit überhaupt ermöglicht. Die Jetavanarama Dagoba war früher mit über 120 Meter eins der höchsten Bauwerke in Anuradhapura. Heute mißt sie nur noch knapp 75 Meter, überragt und dominiert aber trotzdem ihre Umgebung. Auch hier läßt sich in diesem Restaurierungsstadium sehr gut der Aufbau der Dagoba erkennen. Sich vorzustellen, daß diese Bauwerke massiv, d.h. ohne ein Innenleben aus Kammern und Räumen wie z.B. die Pyramiden, sind ist fast unmöglich.
Je näher man dem Zentrum von Anuradhapura kommt, um so näher kommt man dem Heiligtum, das noch heute eine ganz zentrale Rolle im Leben und Glauben der Buddhisten in Sri Lanka und der übrigen buddhistischen Welt spielt. Der Sri Maha Bodhi ist der älteste Baum auf diesem Planeten, dessen Geschichte dokumentiert ist. Vor Christi Geburt gelangte ein Zweig des Baumes nach Sri Lanka, unter dem Siddharta Guatama erleuchtet wurde und später zum Buddha wurde. Wäre dem Baum in den letzten 2.200 Jahren etwas zugestoßen, so wäre es mit Sicherheit überliefert worden. Die Sicherheitskontrollen, die zu passieren sind bevor man in die Nähe des Baumes gelangt, vermitteln einen ersten Eindruck davon, welche zentrale Bedeutung er für die Buddhisten hat. Den richtigen Eindruck bekommt man aber erst, wenn man die Gesichter der Menschen studiert, die sich betend um den Baum herumbewegen.
Der direkte Zugang zum Baum ist für Touristen aufgrund seiner Bedeutung verständlicherweise nicht möglich. Der Baum steht auf einer Plattform, umgrenzt von einer ca. 3 Meter hohen Mauer. Die Größe des Baumes ist hierdurch nicht direkt zu erkennen. Es ist aber deutlich zu sehen, daß der Baum vielfach abgestützt ist und im Vergleich zu den umstehenden Bo-Bäumen einen wirklich uralten Eindruck macht. Den Gläubigen ist es möglich, den Bo-Baum betend zu umschreiten und an den Außenwänden des Innenhofes Öllämpchen anzuzünden.
Es ist nicht auszudenken, was passieren würde, wenn dieser Baum eines Tages absterben würde. Aus diesem Grund ist er mit Sicherheit die am intensivsten umsorgte Pflanze der Welt. Noch heute wird in jeder neuangelegten Klosteranlage ein direkter Ableger dieses Baumes gepflanzt.
Die Umgebung des heiligen Bo-Baumes birgt eine weitere (an damaligen Maßstäben gemessen) architektonische Meisterleistung. Es handelt sich um den Lohapasada, einen Palast, der von 1600 Säulen getragen wurde. Die Säulen sind noch heute erhalten und bieten in 40 Reihen zu 40 Säulen einen beeindruckenden Anblick. Der Palast soll insgesamt über 9 Stockwerke verfügt haben und bereits vor Christi Geburt erstellt worden sein. Er ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zerstört, aber bis zuletzt immer wieder aufgebaut worden.

Seine Bezeichnung "Bronze-Palast" stammt vom Material der Dachverkleidung. Zusätzlich soll der Palast an den Außenwänden und dem Dachfirst mit diversen Edelmetallen und Unmengen von Edelsteinen besetzt gewesen sein. Jeder kann selbst entscheiden, welches ausschmückende Detail er der Phantasie der Menschen anlastet, die die Geschichte des ersten Palastes festgehalten bzw. weitergeben haben. Die Säulen allerdings sind heute noch in voller Schönheit zu bestaunen. Wie bei jeder Überlieferung gibt es eben immer einen wahren Kern und der steht heute wie ein riesiges Irrgarten-Skelett einen Steinwurf vom Bo-Baum entfernt.
Den krönenden Abschluß eines Aufenthalts in Anuradhapura bildet sicherlich der Besuch des Felsenklosters Isurumuniya Vihara im Südwesten der Stadt, am westlichen Ufer des Tissa Wewa.
Bitte beachte hierbei, daß es sich um ein privates Kloster handelt und somit der Eintritt nicht in der Sammelkarte des kuturellen Dreiecks enthalten ist. Aber wie fast alle Sehenswürdigkeiten, so reißt auch diese kein übermäßiges Loch in die Reisekasse.
Das Kloster ist fast komplett in eine Gruppe aus schwarzen, kegelförmigen Felsen eingebettet. Den Tempel der Anlage erreicht man, in dem man eine kleine Treppe heraufsteigt. Der Raum, in dem sich eine kleine Buddha-Statue befindet ist komplett aus dem Gestein herausgetrieben worden. Kurz bevor man den Tempel betritt sollte man nicht versäumen, einen Blick an die Felswand rechts vom Eingang zu werfen. Dort befindet sich ein Relief mit dem Titel "Mann mit Pferd". Die Bedeutung dieses Bildes ist komplett unbekannt, aber dies hat seiner Berühmtheit keinen Abbruch getan (sogar auf dem Geschirr des Tissawewa Resthouse befindet sich ein stilisiertes Abbild dieses Reliefs).
Irgendwie ist es ein ganz komisches Gefühl, wenn man wochenlang nur Buddha-Statuen begegnet, deren Haltungen bis ins kleinste Detail vorgegeben sind und dann plötzlich vor diesem Relief steht und einen recht lässig dasitzenden Mann sieht. Das es Probleme gibt, dieses Werk zu kategorisieren, kann mir bildlich vorstellen.
Generell müssen die Bildhauer, die in diesem Kloster am Werk waren, eine sehr verspielte Ader gehabt haben. Am Ufer des kleinen Teiches neben dem Tempelaufgang befinden sich die Abbilder von badenden Elefanten. Sie sind so in den Fels gehauen, daß sie im Wasser des Teiches zu baden scheinen. Gerade der kleine Elefant auf der rechten Seite scheint das Bad im Teich durchaus zu geniessen.
In dem kleinen Museum, das dem Kloster angegliedert ist, befinden sich die zwei bekanntesten Werke singhalesischer Bildhauerkunst.
Ein der Werke ist das Relief “Die Liebenden”, das entweder zwei Gottheiten oder einen Krieger zusammen mit (s)einer Frau darstellt. Die Experten scheinen heute eher zu der zweiten Deutung zu neigen. Aber egal, wer auf diesem Stein dargestellt ist, es ist wirklich ein wunderschönes Relief. Besonders schön kann man hier den kleinen Speckbauch erkennen, den jede Person hat, sobald sie als reich und wohlhabend abgebildet werden soll. Das Relief selbst befand sich früher in dem oben erwähnten Tempel und ist dann vor ein paar Jahren in das kleine Museum ausgelagert worden.
Das andere sehr bekannte Relief ist eine Abbildung einer singhalesischen Königsfamilie. Auch hier ist wieder der kleine Wohlstandsbauch zu erkennen, der sich leicht über die Tücher an der Hüfte legt.
Die gesamte Klosteranlage liegt sehr malerisch am Ufer des Tissa Wewa. Der Weg von der Straße führt über zwei Brücken und eine kleine künstliche Insel, die in der Mitte eines Lotusblumenteiches liegt. Besonders faszinierend waren unzählige Fledermäuse, die versuchten, in einem Felsspalt ein Plätzchen zu ergattern, um dort den Tag über zu schlafen. Da aber für zwei Tiere imer nur ein Platz vorhanden war, war die Hälfte der Fledermäuse damit beschäftigt, sich kreischend an der Felswand festzuklammern, während die andere Hälfte versuchte, sich ein Plätzchen zu erkämpfen. Das Getöse war einfach unbeschreiblich.
Auf der Rückseite des Klosters ist es möglich, auf die Felsen heraufzuklettern. Gerade bei Regen kann dies eine sehr rutschige Angelegenheit sein, zu der ich nicht jedem raten würde. Oben angelangt, hat man aber einen sehr schönen Überblick über die Umgebung des Klosters und die große Wasserfläche des Tissa Wewa.
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